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Überlegungen zum Latein-Unterricht in Südtirol

Von Martina Adami  (Direktorin Gymnasium W.v.d. Vogelweide, Bozen)

 

In Südtirol hat es in den letzten Jahrzehnten wiederholte Versuche gegeben, den Lateinunterricht in den verschiedensten Fachrichtungen zu reduzieren. Als Mitglied der Kerngruppe Latein und Griechisch am Pädagogischen Institut habe ich ein halbes Lehrerleben mit darum gekämpft, dass Latein in einer angemessenen Zahl von Jahren und Stunden unterrichtet wird.

 

Im Sprachengymnasium z. B. ist es der deutschen gegenüber der italienischsprachigen Schule in Südtirol gelungen, Latein alle fünf Jahre durchzuhalten. Die Variante der Sprachengymnasien mit italienischer Muttersprache, Latein nur im 1. Biennium, also nur 2 Jahre anzubieten, ergibt für mich wenig Sinn. Wozu? Warum? Was soll den Schülern in diesen zwei Jahren wirklich an Nachhaltigem mitgegeben werden?

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Latein auch in der heutigen Zeit eine bedeutende Rolle in der gymnasialen Bildung spielt – aber nur, wenn Lehrpersonen immer wieder darauf achten, dass Wortschatz-, Grammatik- und Kulturunterricht sowie das Übersetzen nicht als Selbstzweck unterrichtet werden und auf Individualisierung im Unterricht geachtet wird. Latein (und Griechisch) ist (sind) ein Transferfach (Transferfächer) par excellence. Wenn Grammatik nur auf Auswendiglernen von irgendwelchen Formen reduziert und nicht regelmäßige bewusste Reflexion in Bezug auf übergreifende Sprachstrukturen initiiert wird, hat Latein keinen Platz mehr. Wenn Wortschatz nur abgefragt wird, ohne immer wieder auf die vielfältigen Implikationen in den modernen Fremd- und Fachsprachen zu verweisen und sie zu trainieren, tut man sich schwer, das Fach im Fächerkanon zu verteidigen. Wenn Übersetzungen und Kulturunterricht nicht immer wieder in Kontrast und Vergleich zu heute gesetzt werden, v.a. wenn nicht genügend und angemessen über die Botschaften der vermeintlich „alten“ Texte diskutiert wird, bleibt das Fach im Elfenbeinturm. Es gilt Tag für Tag das, was eigentlich nur über Latein und Griechisch geleistet werden kann, immer wieder bewusst zu machen – v.a. auch einer breiten Öffentlichkeit: es durch vielfältige Projekte, durch verschiedenste v. a . auch Fächer übergreifende Initiativen Schülern, Eltern, Politikern, Entscheidungsträgern zu veranschaulichen.

 

….EinfreundlicherGruß von Rainer Weissengruber, intern. Präsidentdes CLE

 

Die ADA Academia DidacticaAthesinalädtein die Orientierungen und ErfahrungenbezütlichdesLatein-Unterrichts in Österreich, Italien und speziell Südtirol alsBrückenregionuntereinanderzuvergleichen und eineDebattehervorzubringen, die allenBeteiligtenneueEinsichten und Überzeugungenbringenkann.